Rettet die Kärntner Seen!

Rettet die Kärntner Seen! Das ist das Ziel des Kärntner Seenvolksbegehrens. Wir haben die Initiatoren Gerhard Godescha und Ing. Walter Polesnik zum Interview gebeten.

Im Wesentlichen fordert das Seenvolksbegehren ein Verkaufs- und Bebauungsverbot für Seegrundstücke, die Land oder Gemeinden gehören. Unter dem Motto: die Kärntner Seen gehören uns allen! Die Umsetzung der detaillierten Forderungen wollen die Initiatoren über eine Änderung der Kärntner Landesverfassung erreichen. 

Ein Volksbegehren für die Kärntner Seen

Im Interview mit den Initiatoren Gerhard Godescha und Ing. Walter Polesnik erfährt ihr alles zu den Hintergründen des Seenvolksbegehrens, wer dahinter steckt und wie sie zu den neu geschaffenen freien Seezugängen (z.B.: am Faaker See) stehen. 

Welche persönliche Motivation haben Sie, sich für die Kärntner Seen derart intensiv einzusetzen?

Walter Polesnik: Wir wollen für die nächsten Generationen, Lebensraum und Lebensqualität erhalten.

Gerhard Godescha: Es geht vor allem darum die negative Entwicklung der letzten Jahre zu stoppen, die letzten unverbauten Seegrundstücke zu schützen und in den kommenden Jahren wieder neue Seegrundstücke für die Allgemeinheit anzukaufen. Die Natur an den Seen darf nicht weiter zerstört werden.

Wer steht hinter dem Seenvolksbegehren? Ist es parteipolitisch motiviert?

Walter Polesnik: Die Initiatoren des „Kärntner Seenvolksbegehrens“ sind Gerhard Godescha und Ing. Walter Polesnik. Wir beide haben das Seenvolksbegehren privat initiiert und wir können daher zu Recht behaupten, dass dies ein Volksbegehren ist, dass wirklich von den Bürgern ausgeht. Wir sind parteiunabhängig und hinter unserem Volksbegehren steht keine Partei. Unterstützt werden wir vom Verein Mutbürger Kärnten. Dort sind wir beide auch im Vorstand.

Wann ist das Seenvolksbegehren für Sie ein Erfolg?

Walter Polesnik: Wenn es umgesetzt wird! Zumindest aber wenn es vom Landtag behandelt wird.

Gerhard Godescha: Wenn es der Landtag behandeln muss! Das Kärntner Seenvolksbegehren ist ja seit ca. 30 Jahren erstmals wieder ein Volksbegehren das auf Landesebene stattfindet (kärntenweit). Das Sammeln der Unterstützungserklärungen erfordert allerdings Ausdauer. In Kärnten kann man das Volksbegehren leider nicht elektronisch unterzeichnen und das Unterstützungsformular liegt auch nicht auf den Gemeinden auf, sondern muss auf unserer Webseite www.seenvolksbegehren.at ausgedruckt werden. Mit dem Formular geht man dann zu seiner Hauptwohnsitzgemeinde. Diese bestätigt es und anschließend muss es per Post wieder an uns gesendet werden. Diese Vorgangsweise macht das Sammeln leider etwas umständlicher.

Aus den Medien ist immer wieder zu entnehmen, dass die Gemeinden nun vermehrt öffentliche Seezugänge zur Verfügung stellen. Mit der Betonung, dass keine Konkurrenz zu den bereits bestehenden (kostenpflichtigen) Strandbädern entstehen soll. Begrüßen Sie diese Initiativen oder ist es vielmehr politische Augenauswischerei?

Walter Polesnik:  das ist politische Augenauswischerei, denn fasst alle der neu ausgewiesenen Seezugänge waren schon immer vorhanden. Jeder dieser Zugänge (meist im Miniformat) könnte sofort wieder verkauft werden! Daher ist dies überhaupt keine Lösung des prinzipiellen Problems des Verkaufs öffentlicher Seegrundstücke. Die Bevölkerung soll wohl beruhigt werden – „es passiert eh was“. Um nicht ganz ungerecht zu sein: besser als nichts.

Gerhard Godescha: Diese Initiativen sind reiner Populismus. Wir Mutbürger haben bereits 2014 Vorschläge zur Änderung der Kärntner Landesverfassung an alle Kärntner Landtagsabgeordneten geschickt. Eine Forderung war, den Schutz der öffentlichen Seeufer in der Landesverfassung zu verankern. 2016 haben wir diese Forderung in einer Diskussion mit dem Verfassungsausschuss wiederholt. Beidesmal wurden diese Vorschläge abgelehnt mit dem Hinweis: „…… Ich glaube nur wirklich, dass wir in Kärnten im Moment ganz andere Probleme haben als uns über Seeuferflächen und Seezugänge Gedanken zu machen“ (Zitat Markus Malle. Landtagsabgeordneter ÖVP, Podiumsdiskussion im Europahaus Klagenfurt, 25 Jänner 2016). Die derzeitigen Initiativen sind deshalb nicht ernst zu nehmen, weil man einerseits kleinste Seegrundstücke (teilweise nur wenige Meter breit), die schon bisher immer öffentlich zugänglich waren medienwirksam als „NEUE“ Seezugänge darstellt und das Land Kärnten und seine Gemeinden andererseits nach wie vor große Seegrundstücke verkaufen. Die Gemeinde St. Kanzian hat z.B. voriges Jahr ca. 4000 qm öffentlichen Seegrund öffentlich ausgeschrieben und verkauft. Wir fordern daher ein absolutes Verkaufsverbot für alle öffentlichen Seegrundstücke in Kärnten. Dies soll mit einem eigenen Landesgesetz in der Landesverfassung verankert werden.

Zum Abschluss eine persönliche Frage: welchen unter den Kärntner Seen haben Sie am liebsten und warum?

Walter Polesnik: Mein Lieblingssee ist der Weißensee, da er trotz Sommer- und Wintertourismus, immer noch einen relativ naturbelassenen Eindruck ausstrahlt.

Gerhard Godescha: Mein Lieblingssee ist ebenfalls der Weißensee, weil er noch immer unberührt ist und man vom Ostufer bis nach Techendorf direkt am Seeufer wandern kann und dort noch ein fast unberührtes naturbelassenes Ufer vorfindet.

Der Liebling unter den Kärntner Seen: der Weißensee
Der Liebling unter den Kärntner Seen: der Weißensee
Rettet die Kärntner Seen! Unser Fazit

Klopeiner See, Faaker See, Wörthersee, Weißensee, Millstätter See, Ossiacher See… Die Liste der Kärntner Seen ist lang. Die Liste der freien Seezugänge hingegen sehr kurz. Kärnten ist bekannt für seine wunderschöne Seenlandschaft. Wir sind der Meinung, dass genau diese Naturjuwelen für alle Menschen zugänglich und genießbar sein sollte! Dass bereits so viele Grundstücke privatisiert wurden, kann man wohl kaum rückgängig machen. Aber wir können mit der Unterstützung des Seenvolksbegehrens verhindern, dass die Kärntner Seen noch mehr verbaut werden!

Fotos: © Weissensee Information

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