Der Portugiesische Jakobsweg

Jakobsweg Titelbild

Der Portugiesische Jakobsweg – auch Camino Portugues genannt – ist im Vergleich zum Camino Francés die zweitbeliebteste Route nach Santiago de Compostela, jedoch noch weitestgehend unbekannt. Diese Reise haben wir nicht gemeinsam erlebt, sondern Marie-Theres machte sich alleine – lange Zeit vor Andreas 😉 – auf den Weg.Ich (Marie-Theres) darf daher diesen Beitrag ganz für mich beanspruchen und meine persönlichen Erfahrungen mit euch teilen. Obwohl meine Pilgerreise mittlerweile schon ein Weilchen her ist (2013), ist sie so präsent, als wäre ich erst gestern zurückgekommen. Ich möchte an dieser Stelle vorweg schicken, dass ich hier nicht zu sehr ins Detail gehen möchte, da ich eine etwas andere Haltung zum Pilgern und zum Jakobsweg habe, als vielleicht einige andere, die auch darüber bloggen. Dennoch habe ich ein paar Empfehlungen für euch und freue mich, wenn ich euch inspirieren kann!

Jakobsweg – warum?

Bevor ich meine Pilgerreise antritt, hätte keine meiner Freundinnen mich mit (Weit-)Wandern in Verbindung gebracht. Sportlich war ich zwar, aber ich hatte nicht einmal Wanderschuhe. Dennoch war es eine Art innere Gewissheit, dass ich einmal den Jakobsweg erleben möchte. In der Retrospektive würde ich nun fast behaupten, dass mich der Jakobsweg gerufen hat. Auf wundersame Art und Weise ergaben sich alle Dinge zu meinen Gunsten, denn alle Seiten (Job, Uni, Fortbildungen etc.) unterstützten meinen Wunsch. Es floss also! 😉 Viele Menschen machen sich mit einer konkreten Problemstellung oder Erwartungshaltung auf den Weg. Ich jedoch nicht! Ich hab mir keine großen Gedanken gemacht, was, warum und wieso, sondern ich hab einfach meine Reise begonnen. Und ich muss sagen, das gehört zu den besten Entscheidungen meines Lebens. Im Vorfeld haben so viele Menschen gemeint, sie müssten meinen Entschluss kommentieren und mir bestimmte Erfahrungen prognostizieren oder sogar Angst einreden. Ich hab das aber alles ignoriert! Und ich möchte auch euch daher empfehlen, nicht darüber nachzudenken, ob bzw. warum ihr den Jakobsweg gehen möchtet, sondern einfach in euch hinein zu spüren und dann eurem Gefühl zu folgen. Der Rest ist vollkommen irrelevant. Lasst euch einfach auf das Abenteuer Jakobsweg ein – Ergebnis offen!

Portugiesischer Jakobsweg – Camino Portugues

Anreise

Man kann den Portugiesischen Jakobsweg in Lissabon oder Porto (beides Portugal) starten. Ich entschied mich für die kürzere Variante ab Porto, die rd. 250 km lang und vor allem für Erstpilger/innen bestens geeignet ist. Der Weg ist leicht zu bewältigen und man kommt ohne herausfordernde Passagen gut voran. Ein Vorteil des Portugiesischen Jakobsweges ab Porto ist außerdem die gute Erreichbarkeit. Ich bin rd. 30 Minuten mit einem Linienbus in die Stadt gefahren, alternativ kann man den Weg dank der Markierungen auch zu Fuß zurück legen. 2013 bin ich direkt von Klagenfurt über London nach Porto geflogen und retour von Santiago de Compostela über London nach Klagenfurt. Aktuell ist diese Flugroute nicht möglich, sondern man müsste über Wien und Frankfurt fliegen, sofern man von Klagenfurt starten möchte. Alle anderen Verkehrsmittel (Zug, Bus etc.), empfehle ich euch zur Anreise definitiv nicht!

Reisezeit

Ich bekomme immer wieder die Frage gestellt, wann denn die beste Zeit für den Portugiesischen Jakobsweg sei. Nun, wie bereits weiter oben erwähnt: einfach nicht nachdenken, sondern loslegen. Ich bin beispielsweise im Februar gestartet! Der Portugiesische Jakosbweg ist grundsätzlich das ganze Jahr begehbar, wettertechnisch bietet sich Mai – September an, jedoch ist im Juli und August recht viel los und es könnte zu Engpässen in den Herbergen kommen.

Route

Es gibt einen Hauptweg, den Camino Portugues Central, den ich euch aber nicht empfehlen würde, da es auch einen wunderbaren Weg entlang der Küste gibt: den Camino Portugues de Costa. Dieser Weg ist einer eurer ersten Etappen und ihr geht immer direkt neben dem Meer: ein wundervoller Start für euren Jakobsweg.

Jakobsweg Küstenweg
Küstenweg – leider ohne Sonnenschein

An dieser Stelle möchte ich jedoch keine allzu genauen Wegbeschreibungen anführen, da ich euch empfehle, einen aktuellen Pilgerführer vor eurer Abreise zu kaufen. Ich habe vor meiner Abreise meine Route mit diesem Pilgerführer exakt geplant, spätestens am 2. Tag jedoch alles verworfen und mich treiben lassen. Und genau das möchte ich euch ans Herz legen: klar, eine gewisse Grundahnung, wohin die Reise geht und wie lange ihr dafür braucht, solltet ihr schon haben, nur verstrickt euch bitte nicht in Einzelheiten und verplant euch nicht den Jakobsweg! Ich bin einen Tag mal weiter gegangen, am anderen Tag kürzer als gedacht und am dritten Tag habe ich einfach mal eine Pause eingelegt, weil mir einfach danach war. Diese Freiheit konnte ich mir auch nehmen, da ich mir bewusst mehr Zeit (16 Tage inkl. An- und Abreise) eingeplant habe.

Ziel aller Jakobswege ist Santiago de Compostela. Da steht man dann – endlich vor dieser pompösen Kirche, nach rd. 10 Tagen Gehzeit endlich am Ziel, unzählige Blasen an den Füßen und mit einem dringenden Bedürfnis zu duschen. Einige feierten diesen Moment mit Freudentränen, ich hingegen hockte mit Dosenbier am Boden und feierte mich! 🙂

Jakobsweg Santiago de Compostela
Ankunft in Santiago de Compostela

Leicht beschwipst (es ist dann doch nicht bei dem einen Bier geblieben), holte ich mir dann meine Pilgerurkunde („Compostela“) und ging in die Messe. Dort hatte ich dann das Glück miterleben zu dürfen, wie der überdimensional große Weihrauchkelch durch die gesamte Kirche geschwenkt wurde. Da war ich wohl wieder zur richtigen Zeit am richtigen Ort 🙂

Santiago de Compostela, Hauptstadt der Region Galicien, ist eine sehr beeindruckende und auch sehr lebhafte Stadt, in der es ein sehr großes Angebot an Pilgerherbergen gibt. Die Herberge „Acuario“ lies mein Herz höher schlagen und ich möchte sie daher als Tipp an euch weitergeben.

Kap Finisterre

Ich hatte noch genügend Zeit und wollte mir das „Kap Finisterre“ (dt. „das Ende der Welt“) nicht entgehen lassen. In 3 – 4 weiteren Tagen und in 96 zusätzlichen Kilometern, kann man von Santiago de Compostela noch ans Ende der Welt gehen. Ich entschied mich jedoch für die weitaus bequemere Variante und nahm den Bus, um an das Ende der iberischen Insel zu kommen. Der Tradition nach, verbrennen Pilger/innen ihre Sachen am „Kap Finisterre“, um einen neuen Abschnitt in ihrem Leben zu markieren. Mir als kleiner Pyromanin musste man das nicht zweimal sagen 😉 Aber auch ohne Ausübung dieser Tradition, ist das „Kap Finisterre“, von dem aus man einen unendlichen Weitblick auf das offene Meer hat, eine Reise wert.

 Ausrüstung

Wenn ihr euch ernsthaft mit einer Pilgerreise bzw. mit dem Portugiesischen Jakobsweg auseinander setzt, werdet ihr auf allerlei Packlisten stoßen. Bitte ignoriert sie! Alle Packlisten, die ich bis jetzt gefunden habe, sind maßlos übertrieben und im ernst: kein Mensch braucht das alles!

Grundregel: der gepackte Rucksack sollte nicht mehr als 10% deines Körpergewichtes wiegen!

  • Regenschutz für dich und deinen Rucksack
  • Schlafsack (desto leichter/kleiner, desto besser)
  • 1 Hose zum Zippen
  • 1 T-Shirt Langarm, 1 T-Shirt Kurzarm
  • 2 Paar Socken
  • 2 Unterhosen
  • 1 Paar Schlapfen (z.B.. Flip-Flops)
  • 1 Mikrofaser-Handtuch
  • Sonnencreme + Seife/Shampoo
  • 1 Packung Taschentücher
  • Trinkflasche
  • Wanderführer

Den Rest braucht ihr nicht, ihr seid nämlich nicht im Dschungel, sondern unterwegs mitten in Europa. Und schließlich soll das ja auch kein Luxusurlaub, sondern eine Pilgerreise werden.

Meine Haltung zum Jakobsweg

  • In einigen Büchern ist von besonderen Sicherheitstipps zu lesen, wenn man den Jakobsweg als Frau alleine gehen möchte. Auf diese Literatur könnt ihr getrost verzichten, da ihr euch bitte einfach gleich verhalten sollt, wie bei euch zuhause auch. Wenn ihr da auf einen Kaffee seid, lasst ihr ja eure Geldtasche auch nicht einfach irgendwo liegen oder steigt bei fremden Männern ins Auto ein. Dass einige Portale in diesem Zusammenhang mit der Angst spielen, ist wirklich lästig.
  • Der Jakobsweg ist eine persönliche Erfahrung. Keine Erfahrung für eine Gruppe, für beste Freund/innen oder für Paare. Das sehe ich zumindest so 😉
  • Mittlerweile gibt es sogar schon eigene Vorbereitungsseminare für den Jakobsweg und geführte Pilgerreisen sogar inkl. Gepäcktransport. Das ist aus meiner Sicht alles unnötiger Schnickschnack und teilweise auch Geldmacherei. Wenn du den Impuls hast, den Jakobsweg zu gehen, geh ihn einfach. Was soll denn passieren? Im schlimmsten Fall hast du viel zu viel eingepackt, dann musst du am Weg eben ein paar Dinge wegschmeißen.
  • Ähnlich hält es sich mit der körperlichen Verfassung: natürlich solltest du grundlegend gesund sein. Aber du musst nicht die körperliche Verfassung eines Spitzensportlers / einer Spitzensportlerin haben.  Wenn du für eine Etappe doppelt so lange brauchst, dann ist das eben so. Es geht beim Jakobsweg um eine persönliche Erfahrung und nicht um das Finishen eines Marathons.

Ganz persönlich hat mich den ganzen Jakobsweg über folgende Erkenntnis begleitet:

You´ll never walk alone!

Und diese Gewissheit konnte ich dann auch mit nach Kärnten nehmen 😉

Ich freu mich jedenfalls auch auf eure Berichte, wie ihr den (Portugiesischen) Jakobsweg erlebt habt!

Und P.S.: sorry, aber vor 5 Jahren war die Qualität der Kameras noch nicht so gut. Ich hoffe, ihr verzeiht mir 😉

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